Geschichte


Der markante Blumenröder Hof, bis 1995 hessische Staatsdomäne und heute das Zentrum der Freien evangelischen Gemeinde Limburg, hat eine bewegte Geschichte und war Namen gebend für den 1967 neu entstandenen Stadtbezirk Limburg-Blumenrod.

Der Name Blumenrod deutet auf gerodetes Land hin, das vor allem als Weideland diente. Es ist zu vermuten, dass der Hof zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert entstanden ist. Die frühest auffindbare Urkunde datiert auf den 24. November 1365; in diesem Dokument eines Gütervermächtnisses des Rule Bonthe, Schöffe zu Limburg, wird „blumenrodde“ neben anderen Orten als ein wesentlicher Kornlieferant genannt, ein Indiz unter mehreren dafür, dass dieser Hof schon wesentlich früher entstanden ist und im 14. Jahrhundert bereits eine beachtliche Bedeutung hatte. In einer Erzählung über die Freveltaten des Limburger Burgmannen Kreglinger an dem Ritter Schadebudel im Kloster Dierstein aus dem Jahre 1309 wird auch schon der Hof Blumenrod erwähnt.

Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts befand sich der Blumenröder Hof im Quellbereich des Großbaches, also etwa 300 Meter südlich des heutigen Standortes, auf ehemals Diezer Gebiet (Gemarkung Linter). Aufgrund diverser Beschreibungen und einer Kartendarstellung aus der Zeit um 1680 läßt sich schließen, dass es sich um ein größeres, für die damalige Zeit bedeutsames Anwesen gehandelt haben muß. Um das Jahr 1720 wurde der Alte Hof, der den von Hohenfels (und später deren Verwandten von Freyberg-Schütz zu Holzhausen) gehörte, abgelegt – das ist wohl abgebrannt – und in der Folgezeit (um 1776) an seinem heutigen Standort (kurtrierisches Gebiet; Gemarkung Eschhofen) neu errichtet. Auf einer Karte aus dieser Zeit ist der Hof aus den drei, in Hufeisenform angeordneten Hauptgebäuden, dargestellt. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage durch schlichte Stall- und Wirtschaftsgebäude erweitert. 1935/36 wurde das gesamte Freiherrn-von-Freyberg-Schütz’sche Gut durch die Wehrmacht enteignet; mit der Errichtung des straßenseitigen Querbaus um 1936 ergab sich die heutige geschlossene Hofanlage. Die Wehrmacht nutzte die Hofgebäude als Stützpunkt (Verwaltungsräume, Offiziersmesse) für den im Blumenröder Feld angelegten Feldflugplatz.

Nach dem Krieg übernahm Franz Bispinck 1946 die Staatsdomäne und entwickelte sie zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Berühmt war die seit 1949 (bis um 1980) produzierte „Blumenröder Vorzugsmilch“. Der nachfolgende Pächter Jörn Schreiber (seit 1978) gab die große Viehwirtschaft auf und machte die Getreideveredelung zum Hauptwirtschaftsfaktor des Hofes; unter dem Slogan „Ferien auf dem Bauernhof“ schaffte sich die große Pächterfamilie mit fünf Söhnen ein weiteres Standbein.

1995/96 erwarb die Stadt Limburg die Domäne Blumenrod vom Land Hessen, um auf einem Großteil der ehemaligen Anbaufläche ein neues Wohngebiet zu entwickeln. Mit der letzten Ernte 1998 und dem Wegzug des Pächters endete somit die über Jahrhunderte währende landwirtschaftliche Epoche Blumenrods.

Nach dem Erwerb der Domäne Blumenrod durch die Freie evangelische Gemeinde Limburg (FeG Limburg) erfährt das historische Anwesen seit 2001 eine neue „fruchtbare“ Sinngebung: die Gemeindemitglieder gestalten in den Folgejahren mit erheblicher Eigenleistung und unter der Leitung des Architekturbüros “teambau gmbh.com” die ehemaligen Hofgebäude zu einem modernen Gemeindezentrum aus. Der ehemalige Kuhstall wurde ein Speiseraum, für Café, Kuchen und Mittagessen. Neu angebaut wurde ein großer Gottesdienst- und Versammlungssaal für gut 300 Personen. Die ganze erste Etage dient der Jugend. Nach der feierlichen Einweihung des Zentrums im Frühsommer 2006 herrschte in den bereits fertiggestellten Gebäudeteilen ein reges Gemeindeleben mit zahlreichen Angeboten für alle interessierten Menschen der Region.

Der westliche Teil der Domäne wurde 2006 in die Stiftung Domäne Blumenrod eingebracht. Im Gebäudeteil an der Zeppelinstrasse entstanden Praxen für Psychotherapie, Osteopathie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin.

Die Stiftung errichtete im Bereich des ehemaligen Pferdestalls eine Kinderkrippe mit dem Verein Lahntal-Kinderkrippen als Mieter, die am 31.10.2009 eingeweiht wurde.

Dann entstand das Café Denk’mal mit Einweihung im Mai 2012. Es wurde mit dem gemeinnützigen Zweck ‘Altenbegegnungsstätte’ gegründet. Das Café soll sich wirtschaftlich tragen, hat aber vornehmlich das Wohl der Gäste im Blick.

In erheblicher Aufwand entstand bei der Sanierung des ehemaligen Pächterhauses. In Planung zusammen mit der Tagespflege Bethanien entstand (2016?)eine Tagespflege für 30 Personen.

Der alte “Bürgersaal” seinerzeit Offizierskasino, dann Gastwirtschaft und Saal für Vereinstreffen und Feierlichkeiten in Blumenrod, wurde komplett erneuert und im April 2018 eingeweiht. Der Saal wird von der Stiftung vermietet und wird von dem Caterer “Little Kitchen” als Eventlocation genutzt und vom Café Denk’mal als Treffpunkt von Vereinen und für Familien- oder Firmenfeiern mit Kaffee und Kuchen.

Im Rahmen der Stadtentwicklung in der Südstadt steht die Domäne wie ein Wahrzeichen in Blumenrod. Aufgrund ihrer gemeinnützigen Ausrichtung arbeitet die Domäne mit an dem “Sozialen Zusammenhalt” der Südstadt.